Das Mensa-Debakel

Essen ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Menschen. Auch bei uns Studenten ist das so. Doch uns fehlt oft das nötige Kleingeld, um in schicke Restaurants zu gehen. Deshalb ist es von Vorteil, wenn man weiß wo man gut und günstig essen kann. Was einem deshalb sofort einfällt, sind die Mensen der unterschiedlichen Universitäten Wiens. Oft eilt ihnen der schlechte Ruf voraus und wir mussten leider ernüchtert feststellen, dass dies oft der Wahrheit entspricht. Wir haben uns auf den Weg gemacht und drei verschiedene Mensen ausprobiert.

Station 1: Neues Institutsgebäude

Unsere erste Station war die Mensa im NIG, da sie wohl die bekannteste und eine der ältesten ist. Der Weg zum Hauptgebäude ist nicht weit, weshalb hier die meisten Studenten verköstigt werden. Betritt man die Mensa, hat man das Gefühl in einer Großbürokantine zu stehen. Sie ist einfach und zweckmäßig eingerichtet. Tische und Stühle müssen genügen, Dekoration wird überbewertet. Das einzig Schöne ist der Ausblick auf das Rathaus von der Terrasse aus.
Das Konzept ist auf Masse ausgerichtet, was sich auch an der Speisenauswahl widerspiegelt. Schnelle einfache Gerichte stehen hier täglich auf der Karte. In der Mensa im Neuen Institutsgebäude gibt es täglich ab 11 Uhr drei Menüs zur Auswahl. Das Mittagsmenü, bestehend aus Suppe, Salat, Fleisch oder Fisch, gibt es nur bis 14 Uhr, während die fleischlose Variante und die Gerichte vom Grill bis 17 Uhr erhältlich sind. Also schnell sein, wer ein Fleisch- oder Fischgericht möchte.
Die Menüpreise liegen bei zirka fünf Euro. Jede Hauptspeise ist aber auch einzeln erhältlich, was um die drei Euro kostet.
Der schlechte Ruf der Mensa im NIG hat sich auch bei uns bestätigt. Wir bestellten einmal Schnitzel mit Erdäpfel-Vogerlsalat und einmal Chili con Soja. Davor gab es für uns beide eine Gemüsecremesuppe. Die Suppe war das einzige halbwegs gelungene an den Menüs. Wobei wir trotzdem der Meinung waren, dass es Packerlsuppe war. Dem Schnitzel vom Schwein hat man angemerkt, dass es schon länger in dem Wärmebehälter lag. Es war trocken und ein wenig zäh. Zum Kartoffel-Vogerlsalat möchte ich nicht viel sagen, außer dass es den wahrscheinlich letzte Woche beim Schnitzeltag auch schon gab. So hat er zumindest ausgesehen.
Das zweite Menü mit dem Chili con Soja hat uns sehr überrascht. Wir wussten definitiv bis dahin nicht, dass ein Essen so fad schmecken kann. Wir probierten, und es passierte nichts. Hatten wir wirklich gerade einen Löffel genommen, denn ich kann mich nicht mehr erinnern, wie das Essen vor zwei Sekunden geschmeckt hat. Es schmeckte nach nichts und für nichts waren uns fünf Euro doch ein wenig zu teuer.

Unser Fazit zu der Mensa im NIG: Das Essen macht satt. Man sollte jedoch sehr feine Geschmacksnerven mitbringen, um überhaupt etwas zu schmecken.

 

Station 2: Afro-Asiatisches Institut

Station 2 führte uns zu der Mensa im Afro-Asiatischen Institut. Warum gerade dieses Institut? Weil es weniger als zehn Minuten Fußweg von unserem Gebäude der Publizistik weg ist. Zudem haben wir gehört, dass das Essen hier recht gut sein soll. Selbst der Standard hat schon darüber berichtet.
Dort angekommen blieben wir erstmal in der Tür stehen und staunten: Ist das schon alles? Es war 14 Uhr und wo bitte sind die anderen Sitzmöglichkeiten? Die Mensa war voll – und mit voll meinen wir nicht nur, dass es keinen Platz mehr gab, sondern man sah auch die Essensausgabe vor lauter Studenten nicht mehr. Der Raum war sehr klein und im Winter ist es wirklich schwer einen Platz zu bekommen, da es (wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt) nicht viele Plätze gibt. Im Sommer besteht die Möglichkeit sich auch in den Innenhof zu setzten. Die Wände waren gelb und mit verschiedenen Gemälden verziert, sonst gab es Tische und Stühle.
Das wirklich Tolle an der Mensa sind die langen Öffnungszeiten. Die Mittagsmenüs gibt es von 11.30 bis 15.30 Uhr. Mit großen Erwartungen stellten wir uns also an. Es gibt drei Menüs zur Auswahl. Zwei davon sind mit Fleisch und eines ist vegetarisch. Dazu bekommt man eine Suppe, einen gemischten Salat und/oder Nachtisch. Wählt man statt Salat eine Nachspeise, liegt der Kostenpunkt bei sechs Euro. Möchte man beides, zahlt man sieben Euro. Wir haben einmal das Menü nur mit Salat und einmal mit Salat und Nachspeise genommen. So lagen auf unseren Tableaus wieder eine Gemüsecremesuppe (anscheinend ist Gemüse zurzeit im Angebot), dann einmal Gemüsetortellini mit Tomatensoße und Fleischlaibchen mit Püree. Vanillepudding gab es als Nachtisch. An alle, die keine Vanille mögen, Pech gehabt!

Als wir die Teller vor uns hatten, waren wir echt verdutzt. Wer soll das alles essen? Die Portionen sind echt groß und nein, es ist uns vorher nicht wirklich aufgefallen, weil wir mit reden beschäftigt waren. Wir ergatterten zwei Plätze und machten uns über unsere Teller her. Die Gemüsesuppe war diese mal richtig lecker, aber dann hörte der Spaß auch schon wieder auf. Die Nudeln waren zerkocht und die Tomatensoße aus der Dose. Das Fleischlaibchen und das Püree erinnerten uns ebenfalls sehr an Fertigprodukte und hatten eben diesen papierartigen Geschmack, den man vom Packerlessen kennt. Der Salat sah aus als würde er auch schon länger liegen. Der Pudding konnte somit leider das Menü auch nicht mehr retten, obwohl er ganz in Ordnung war. Wobei man bei Fertigpudding auch nicht wirklich was falsch machen kann.
Keine Ahnung ob es an uns oder dem Essen lag, aber uns hat das alles nicht vom Hocker gehauen.

Unser Fazit zur Mensa im AAI: Wer auf Hauptspeise verzichten kann und von Suppe und Nachtisch satt wird, ist hier genau richtig.

Station 3: Wirtschaftsuniversität

Um dem Ganzen die berühmt-berüchtige Krone aufzusetzen, beschlossen wir, dass uns unsere dritte und vornehmlich letzte Mensa-Tour (frau verträgt bekanntlich nur so viel schiaches Mensa-Essen) in eine der bekanntesten Mensa-Küchen führen sollte: die der neuen WU.
Zugegeben, das zeugt nicht von wahnsinnig großem Einfallsreichtum, aber nach reichlicher Überlegung und Recherche im Mensa-eigenen Online-Tool zog es uns dann doch dahin. Außerdem dachten wir: Hey, die WU ist derart hip, dass sich da doch garantiert auch mal ein etwas erfreulicheres, vielleicht auch weniger schiaches Menü finden lassen könnte. Zumal sie ja auch von einer waschechten, recht namhaften Cateringfirma direkt aus Wien beliefert und bekocht wird. Im Notfall könnten wir ja dann immer noch ein viertes Etablissement aufsuchen und uns dann darüber sprichwörtlich auskotzen. Aber das war definitiv nicht notwendig, denn was uns in der WU-Mensa erwartete, übertraf sogar noch das NIG und das Afro-asiatische Institut (vielleicht gesamt gesehen nicht die Papier-Fleischpflanzerl aus dem AAI, die waren schon speziell räudig).

 

Wir marschierten also an, warfen abermals einen kurzen, prüfenden Blick auf den Menü-Aushang vor dem Speisesaal und trafen unsere Wahl. Dann gingen wir hinein und staunten mal wieder nicht schlecht ob der wirklich gewaltigen Ansammlung von Studentenmassen. “Do it yourself” in der Küche scheint dieser Tage wohl doch nicht so im Trend zu liegen, wie so manche Instagram-Profile behaupten mögen.Wir stellten uns also an – ganz allgemein hatte die WU-Mensa einen Hauch von Vapiano-Flair – und bestellten zur Abwechslung mal nicht die Tagessuppe, da wir von den diversen Gemüsesuppen-Variationen schon richtiggehend Verfolgungswahn bekommen hatten.
Also einmal den Gemischten Salat mit vermeintlich frischen italienischen Kräutern und Mozzarella-Bällchen und einmal eine Art Salat im Asia-Style, komplett mit Sesam auf dem Tellerrand und Sojasaucen-Honig-Dressing und so. Sehr fancy.
Als Hauptgang wurde uns einmal eine Pizza Tonno (passend zum Salat und weil sie auf den umliegenden Tischen einen wirklich ansprechenden Eindruck machte) und einmal eine neumodische Art des klassischen Grilltellers mit Ofenkartoffel kredenzt. Nachspeisen werden in der WU-Mensa wohl generell eher hinten angereiht, man möchte ja trotz des Menü-Aufgebots später auch noch in die Yogahose passen.
Preislich gesehen kann man eigentlich auch nicht meckern, denn mit Salat und Hauptgang kam jeder von uns auf ungefähr acht Euro. Natürlich etwas teurer als die vorigen Mensas, aber wir logierten auch in den heiligen Speisehallen der Wirtschaftsuniversität.
Die Leute bei der Essensausgabe wirkten ein bisschen wie verschreckte Bambis, es herrschte leidliches Chaos und die Lady an der Kassa ermahnte uns, nicht zu lange zu verweilen und zügig zu essen – leider nicht mit diesen höflichen Worten.
Zurück zu unserem Mahl: Die Salate schmeckten zwar etwas fade (mehr Öl als Essig und Wasser machten das Dressing aus), aber für ungefähr 3,50 Euro kein schlechter Deal. Ein Stück Brot gab es zudem gratis dazu. Die Hauptspeise war leider schon ziemlich ausgekühlt, als wir uns ihr schließlich zuwandten, und bereits beim ersten Bissen in die Pizza wurde klar, dass sie nicht wirklich frisch, sondern eher nach Tiefkühlkost schmeckte. Nicht gerade schiach, aber auch nicht gerade Bella Italia. Beim Grillteller war das Fleisch restlos überwürzt und das, was uns vorkam wie Schweinsmedaillons, wirklich sehr zäh, sprich: Schuhsohle. Leider. Die Ofenkartoffel mit dem Dip dazu schmeckte dafür ganz okay.

Alles in allem war das Essen durchaus genießbar, jedoch stimmte das Preis-Leistungsverhältnis nicht wirklich, zumindest für unsere bereits sehr sensibilisierten Gemüter. Die “Bedienung” bei der Essensausgabe stellte sich jedoch als hauptsächliche Enttäuschung heraus: Man wurde eher abgefertigt als bedient und erhielt eine recht unhöfliche Warnung, dass man den Tisch nicht zu lange zu besetzen hat, da ja noch andere essen wollen. Nicht gerade die feine englische Art. Die WU-Mensa scheint wohl eher dem Prinzip “außen hui, innen pfui” zu folgen.

Von Bianca Pokorny & Laura Prüll

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  1. […] Triester Straße, dem ultimativen Überlebensguide für die U6 oder dem großen Mensadebakel. Denn es heißt ja bekanntlich: Ohne Schatten kein Licht. Vielleicht ergibt sich ja sogar eine […]

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