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Verrauchte Lokale in der lebenswertesten Stadt der Welt

                                                Titelbild: russia-no-smoking.ru

Ich bin eine Frau, die nicht raucht. Ja, wir Menschen, die nicht rauchen existieren noch. Aber laut Forschung der Statistik Austria rauchen in Österreich mehr als 40% der über-15-Jährigen – eine sehr hohe Zahl. Wenngleich das Rauchverbot in den Lokalen dieses Jahr endlich überall zu kommen scheint, waren meine Erfahrungen mit den populärsten Bars in der Wiener Innenstadt relativ „schiach“. Entweder habe ich die Lokale nach kurzer Zeit wieder verlassen oder aber ich habe danach wie eine geräucherte Forelle gestunken.

Ganz so sensibel bin ich eigentlich gar nicht. Ich bin ein normaler Mensch, der ab und zu ausgeht um ein paar Gläser Wein oder Bier und nette Unterhaltungen zu genießen. Doch wieso soll ich in den „Raucherkammerln“ leiden und statt meinem Parfum den Rauch riechen? Selbst Raucher beschweren sich häufig über zu viel Rauch in den Lokalen. Und es gibt Bars, über die man immer wieder die gleichen Erfahrungsberichte im Internet liest: „Die Bar stinkt ekelhaft!“

Da die Lüftungen in diesen Lokalen trotz der Beschwerden der Kunden immer noch schlecht funktionieren, ist es doch interessant über ein paar „schiache“, verrauchte Bars – die „Highlights“ der stinkenden Bars im ersten Bezirk – zu berichten.

1516: Trink Bier, stink wie geräucherte Spare Ribs!

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Eine der beliebtesten Bars für Studenten und Touristen ist das 1516 – und es stinkt unglaublich. Die guten Preise und die lockere Atmosphäre scheinen viele Menschen anzuziehen. Doch wie viele Leute sind es, die nach ein paar Stunden rausgehen und denken „Endlich frische Luft“?

Es gibt einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich, letzterer ist allerdings sehr schummrig und zum Essen nicht unbedingt ideal. Der Raucherbereich ist akzeptabel, wenn man ein Atemluftreinigungsgerät trägt. Im Stiegenhaus stinkt es auch nach Bier und zudem kaltem Rauch.

Wenn man trotzdem Schnitzel oder Spare Ribs mit der Familie essen möchte, sollte man am besten einen Platz im ersten Stock reservieren.

Ich muss ehrlich sagen, jedes Mal, nachdem ich das 1516 verlasse, verspreche ich mir, nie wieder in diese Bar zu gehen. Doch selten – meistens im Sommer, wenn man draußen sitzen kann – lande ich wieder dort.

Specht: „Schiaches“ Pech

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Das Specht ist nicht weit vom Stephansdom entfernt. Auf den ersten Blick scheint das Specht ein nettes, gemütliches Lokal zu sein. Eines Tages wollte ich Jazz-Musik an der Bar genießen, was allerdings zügig vereitelt wurde. Nach fünfzehn Minuten waren meine Augen rot (Kontaktlinsenträger aufgepasst!) und ich habe nur an frische Luft gedacht. Der Nichtraucherbereich ist – wie so oft – nicht vergleichbar mit dem Raucherbereich, und im Specht insbesondere, da man dort die Musik nicht gut hört.

Die Kommentare über die Bar Specht, wie zum Beispiel „der Rauch aus der Abteilung für Drogenkranke zieht auch in den Nichtraucherbereich” und “Raucher machen das Leben um einiges ungemütlicher” sind schnell über Google Reviews zu finden. Die Leute fühlen sich dabei oft nicht nur von Zigaretten- sondern auch von Zigarrenrauch gestört. Dieser steigt einem einfach in die Nase.

Schade, dass man in so einer tollen Umgebung und netten Bar so viel Rauch aushalten muss. Vielleicht gebe ich dem Specht in Zukunft noch mal eine Chance, wenn ich dort normal atmen kann. Jetzt aber ist es ein No-Go für mich.

Roberto American Bar: Klein, aber nicht fein

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Das Roberto ist eine sehr kleine Bar in der Innenstadt mit einer großen Auswahl an Getränken. Es ist stilvoll und nett. Dies passt gut, um den Abend zu starten oder nach einer langen Nacht noch ein „Fluchtachterl“ zu trinken. Einen Versuch wert, würde ich sagen – wenn es nicht so stänke.

Da die Bar sehr klein und die Lüftung nicht gut ist, stinkt es oft wahnsinnig, insbesondere wenn drinnen zu viele Leute ähnlich wie Sardinen in einer Dose stehen.

Es gibt bestimmte Tage, an welchen es am Abend äußerst voll ist. Dies ist unangenehm. Erstens kann man sich kaum bewegen und zweitens kann man oft seine Jacken oder Taschen nicht aufhängen. Wie das Glück es so möchte, ist man dazu oft zwischen zwei Rauchern eingesperrt. Na gut, was bleibt denn da noch übrig? Gerade stehen, Alkohol konsumieren und weniger mit der Nase atmen – alternativ ab und zu kurz rausgehen und frische Luft genießen.

Die Rettung kommt wie immer nur im Sommer, wenn man draußen sitzen kann. Sommer, wo bist du? Komm schneller!

Kleinod: Modern aber toxisch

https://www.instagram.com/p/BOprnpGA4Dc/

Ein bisschen größer als das Roberto, scheint das Kleinod eine nette, moderne Bar zu sein. Sie liegt im Herzen der Wiener Innenstadt und ist nur eine Gehminute von der Station Stephansplatz entfernt. „Ein Schmuckstück, eine Perle“, schreiben die Besitzer auf der Website. Doch ist dies wirklich eine so legendäre Lokalität? Konsultieren wir doch Erfahrungsberichte auf Google und TripAdvisor. Eine kurze Recherche und schon wieder finde ich Kommentare über den Rauch: „Rauchen ist erlaubt, es befindet sich aber kein Nichtraucherbereich im Lokal“, “Abluft ok, wenn aber Zigarrenraucher losgehen, wird es doch unangenehm” oder „für Nichtraucher maximal bis 22.00 Uhr zu empfehlen, danach toxisch“.

Wie im Roberto ist das “Kuscheln” mit Fremden ab 21 bis 22 Uhr ganz normal. Dazu ist es sicher hilfreich, wenn es einem Spaß macht, den ganzen Abend zu stehen. Vor allem nach einem anstrengenden Tag ist es sicherlich „angenehm’’, noch ein paar Stunden eine kurze Entführung aus dem Alltag auf den Beinen zu „genießen“.

Wahrscheinlich ist das Kleinod eine nette Bar in der Innenstadt – für Raucher und Passivraucher. Und insbesondere für Nichtraucher, die es kaum erwarten können, dieses Lokal in Zukunft als Nichtraucherlokal zu besuchen.

Loos American Bar: Mysteriös und “Smokey”

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Die Loos Bar ist einer der Dinosaurier der Bar-Szene Wiens. Das Lokal ist ein bekanntes Highlight in der Innenstadt für Touristen und kreative, künstlerische Menschen, gelegen in einer Seitengasse der Kärntner Straße. Gestaltet von 1907 bis 1908 von Adolf Loos, ist die Bar noch immer populär. Als ich nach Wien gekommen bin, habe ich ab und zu dort Spaß gehabt und lustige, wenngleich sinnlose Dialoge (oder besser gesagt zwei Monologe) geführt.

Innen ist es dunkel, mysteriös und klein. Nicht geeignet also für diejenigen, die klaustrophobisch veranlagt sind. Die kleine Stiege zur noch kleineren Toilette ist nicht für angeheiterte Menschen geeignet. Da muss man wirklich aufpassen, nicht runterzufallen und sich den Hals zu brechen. Die Toiletten sind oft schmutzig, aber das ist wohl eine andere Geschichte.

Man darf also im Dunstnebel in der nächtlichen Loos Bar stehen und diesen „mysteriösen“ Rauch einatmen. Anscheinend gefällt manchen Menschen eine solch kleine, verrauchte Auszeit.

Entweder bin ich älter, anspruchsvoller oder kritischer geworden, aber manche Situationen versuche ich jetzt zu vermeiden. Die Freizeit genießen? Ja!  Aber nur solange es mir Spaß macht und wenn alle meine Sinnesorgane damit auch zufrieden sind.

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