Wien ist ein Gedicht

Manche Dinge muss man eben – in meinem Fall: diesen Artikel schreiben.

Aus Gründen mach ich das nicht gern.

Ganz oben auf der Liste steht, dass ich GANZ EINFACH NICHT WILL! Ich raunz und pöbel schon gern rum, nicht falsch verstehen, es gibt Menschen und Dinge da komm ich in Fahrt, dass mir so manch Geistliche den Mund mit Seife auswaschen würden. Und da geht’s nicht immer ums Patriarchat, Geschlechtskrankheiten oder Reggae. Nein, auch gegen Gefühlsausbrüche ausgelöst durch Belanglosigkeiten, sogenannter First-World-Problems, bin ich nicht immun. Nur, seien wir uns ehrlich, sich in einer Stadt wie Wien ausgerechnet darüber zu beschweren, dass sie hässlich, oder eben schiach ist, ist – so wie ich am Ende eines Streits, wenn ich vergessen habe um was es eigentlich ging, und auf ein versöhnliches „Es tut mir leid, du bist toll!“, „Warum hasst du mich? Die ganze Welt hasst mich!“ brülle – pretty damn unreasonable.

Denn Wien ist ein Gedicht, wer was anderes sagt, lügt. Schöne Architektur, schöne Museen, schöne Straßen, von denen man theoretisch, aber auch praktisch, direkt den Berg im Suff aus der Box gekippter Asianudeln speisen kann. Keine Löcher der Größe eines Hundegrabs im, und alle paar Meter eine ranzige Matratze mit teilweise so kecken Aufschriften wie „Louis Futon“ oder anderem Sperrmüll am Gehsteig. Für alle, die nicht so cool sind wie ich: Ich vergleiche Wien mit Berlin. Ziemlich obercool also. Und ja, ich bin die Sorte Mensch, die mal ein halbes Jahr in Berlin gewohnt hat, um fürs restliche Leben für wirklich jede Situation die passende, lässig gedroppte Berlin-Anekdote für ihr bemittleidenswertes Gegenüber parat zu haben.

Also Wien, so borniert, blabla reaktionär, alle sudern nur rum blaaah, Berlin auf der anderen Seite so hip und fortschrittlich, blablabla, u get the picture. Aber leb mal dort, es ist schon auch einfach super abgefuckt und verrückt. Den Luxus Wiens und die träge Verlässlichkeit, dass morgen und vermutlich auch in zehn Jahren die Welt für mich so gemütlich sein wird wie heute, schätze ich mit jeder Faser meines kleinen Körpers. Es ist nicht selbstverständlich so und ich will und kann kein schiaches Wort über diesen Ort verlieren. Ich will nie wieder bei Außentemperaturen im Minusbereich in einer Badewanne hocken und minutenlang warten bis das Wasser wärmlich wird, während mir durch Fensterspalten eine eisige Brise um den Hintern weht. Ich will Fußbodenheizung, oida!

Gut, eine Sache die Wien wirklich von Berlin lernen kann sind Spätis. Spätis 4 life! Aber ich finde auch hier an jeder Ecke ein Lokal oder zumindest eine Pizza-Kebap-Noodles-Hütte mit Dosenbier und ein kollektives Mindset nichts verwerfliches darin zu sehen dieses Angebot auch reichlich und jederzeit in Anspruch zu nehmen. Als weitere random facts, warum Wien das Beste ist, fallt mir noch ein z.B., dass es super und leistbare Öffis gibt, und dass es bei der Wahl grad zur Gänze Grün war. U.v.m. versteht sich, aber mehr fallt mir im Moment nicht ein. Kurz hab ich überlegt, ob ich nicht doch eine wirklich schiache Seite von Wien zeigen will (ja, okay, es gibt sie eh). Zum Beispiel die schiachsten Ecken der Josefstadt (also die ganzen Scheißbuden). Aber dann ist das irgendwie so ein ur ernstes Thema, das muss dann ja gut und recherchiert sein und puh! Nazis gibt’s bitte auch in anderen Städten.

Naj,a und dann drängt sich halt noch die Sache mit den „111 Gründen Wien zu hassen“ auf. Also wenn da grad ein Buch zum Thema erschienen ist, kann mir dann bitte wer erklären, wie man zum selben Thema einen Blog macht, ohne dass es peinlich wird? Ich bestreite nicht, dass es möglich ist, ich weiß halt nicht wie. Ob nun alle oder keine Artikel Plagiate sind, kann ich nicht beurteilen (ehm, hallo?! Ein ganzes Buch lesen, as if), aber wenn ich was gelernt habe in meinem Leben, dann, dass es das einzig Richtige in dieser (und jeder anderen Diebstahls-) Situation ist, mit einer Offensicht- und Selbstverständlichkeit zu klauen, die es quasi unmöglich macht, etwas Falsches daran zu sehen. Das Cover des Buches war netterweise all over in meinen diversen Timelines. Da ist ein Hund drauf der kackt. Voilá: eine Fotostrecke mit Hundescheiße. Weil ja, ist schon ärgerlich, wenn man reintritt.

Eine Sache noch, „schiach“? Really? Ich muss das aussprechen wie „Ski“, also das Wintersportgerät und „ach“, also ein Seufzen. Bringt zwar meine Einstellung zum Ösi-Volkssport ganz gut auf den Punkt, aber phonetisch macht doch “schirch” wesentlich mehr Sinn. Nein? Gut, wieder was gelernt, bin ja auch auf der Uni hier. Ja, und noch was, wer sich meine Gacki-Fotos alle ansieht, wird beim letzten auch noch mit einem Hinweis zu meiner politischen Einstellung belohnt. YAY!

 


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