Wiener Nettigkeiten und andere Schandtaten

So einige schiache Wien-Erlebnisse führen mich zum Titel dieses, hm, nennen wir es: Erfahrungsberichtes. Um den Rahmen nicht zu sprengen gibt’s natürlich nur die Highlights aus dem vergangenen Jahr.

Gratis Dusche 

Ein solches war ein Konzertbesuch Ende Jänner. Man fühle jetzt bitte die Temperaturen dieser Jahreszeit. Eisig, mit einem Wort! Nach dem Konzert im Gasometer machte ich mich gleich auf den Weg in meine Wiener Wohnung, da ich am nächsten Tag eine Präsentation zu halten hatte und es doch schon Mitternacht war. Der Gedanke, so früh als möglich im Bett zu sein, um den nächsten Tag in der Uni ausgeruht zu überstehen, war plötzlich mein geringstes Problem, als sich 300 Meter vor meinem Ziel, direkt über meinem Kopf, vollkommen aus dem Nichts kommend, die Niagara-Fälle über mich hermachten. „Waschlnass“ wie man bei uns so schön sagt, konnte ich beim Blick nach oben nur noch erkennen, dass jemand das Fenster im zweiten Stock schloss. Bis heute hoffe ich, dass es sich nur um Wasser handelte, das aus einem Kübel geschüttet wurde, und nicht um etwaige andere (Körper-)Flüssigkeiten. Meine Stoffmütze konnte meine Haare (Länge bis zur Hüfte) logischerweise nicht vor der unverhofften Ice-Bucket-Challenge schützen, weshalb ich wie ein nasser Hund in die Wohnung lief.

https://pixabay.com/de/tierfotografie-hundefotografie-hund-1551711/

Einige haben sicherlich den Hinweis auf meine Haarlänge bemerkt und können sich vorstellen, wie lange man da föhnt … die Dauer der heißen Dusche, bis ich nach der netten Erfrischung im Freien wieder aufgewärmt war, und das anschließende Trocknen meiner Haare, bis hin zum Nicht-einschlafen-können, weil ich mich „fast nicht“ geärgert habe, hatte zum Ergebnis, dass mich meine Uni-Kolleginnen nach der Präsentation ernsthaft fragten, ob ich, meinen Augenringen und der Blässe zufolge, am Vortag saufen war. Naja … immerhin konnte ich mich aber über eines freuen: die anschließende Lungenentzündung, die ich gleich darauf über die lang ersehnten Semesterferien auskurieren durfte. Jackpot!

Aber man will ja nicht nachtragend sein, solche Dinge sind nicht alltäglich. Deshalb nahm ich die Sache schnell mit Humor. Einige Wochen nach der Gratis-Dusche, direkt nach den krankheitserfüllten Semesterferien, bin ich ausnahmsweise abends mit dem Auto meiner Mutter vom Burgenland nach Wien gefahren. Ich hatte am Folgetag Ganztagsseminar und musste direkt danach zurück ins Burgenland. Das Auto parkte ich in der Nähe meiner Wohnung in Wien, in einem der schön eingezeichneten Parkplätze. Optimal!

Nachbarschaftshilfe

Energiegeladen öffnete ich die Eingangstür in das Haupthaus zu meiner Wohnung und – wow! Was ist denn das Neues? 

Oh schön, eine freundliche Notiz eines Nachbarn hängt da auch noch dran:

An den/die Asozialen:
Es ist eine unglaubliche Rücksichtslosigkeit, diesen Sperrmüll einfach im Stiegenhaus abzustellen.
Glauben Sie die Mieter wissen nicht woher der Müll stammt?
Bitte den Sperrmüll UMGEHEND entfernen – ein Fahrzeug für den Transport haben Sie ja offensichtlich!
Andernfalls erfolgt Anzeige!

Jaja, wir Nachbarn helfen gerne alle zusammen! Hier in Wien schmeißt man einfach ein paar Scheine in den Pot, um den Dreck der Leute, die mal über einem wohnten, wegräumen zu lassen. So eine professionelle Entsorgung alter sperriger Schränke und anderem Müll fällt schon mal unter Nachbarschaftshilfe. Und wenn wir schon dabei sind, das Ausmalen der vom feuchten Dreck beschmutzten Wände im Eingangsbereich wär auch nicht schlecht, ein paar Euro mehr oder weniger … is a scho wurscht! Brauchst du noch was, lieber Ex-Nachbar?

Miteinander im Straßenverkehr

Am nächsten Tag habe ich um 7 Uhr früh das Haus verlassen und bin zum Auto. Bääääm: Parkschaden mit Fahrerflucht. Yesss! Was wünscht man sich mehr?! Aber ja, ich bin selbst schuld. Hätt ich halt den Zug genommen, so wie sonst auch. Karma, nehme ich an. 

Den ganzen Schaden auszubessern hätte ein paar 100 Euro gekostet. Danke, Mama, dass ich die nicht bezahlen musste (tausend Küsse!!!). So sieht das Auto übrigens provisorisch ausgebeult aus:

 

Respekt vor Mitmenschen und öffentlichem Gut

https://pixabay.com/de/gewalt-kriminalit%C3%A4t-einbruch-faust-1166556/

Wieder in Wien – ein anderer Tag, diesmal mit dem Zug und den Öffis unterwegs: Ich liebe die Ecke am Westbahnhof, an der die 6er-Bahn fährt und sich die Leute fast „in die Goschn haun“, weil die 6er gefühlt halb Wien transportiert und zu wenige Züge schickt. Aber erzählen will ich eigentlich etwas ganz anderes: Eine Freundin und ich sind ein paar Stationen mit der 6er in Richtung Westbahnhof gefahren. Auf dem Weg bleibt die Straßenbahn stehen, ein Mann kommt auf sie zugelaufen, hüpft gegen die Windschutzscheibe und schlägt mit irgendwas zusätzlich darauf ein, bis ein fetter Riss in der Scheibe war. Wir mussten natürlich aussteigen, zum Matzleinsdorferplatz gehen und die 18er nehmen. Diese Bahn ist generell sehr leer. Aber wir durften uns dennoch über Unterhaltung freuen. Ein junges Pärchen – er schwer auf Droge, sie mit raushängendem Busen und wahrscheinlich auch unter Drogeneinfluss – genoss die Bahnfahrt.

Faire Deals

https://pixabay.com/de/drogen-zeichen-zu-speichern-1914587/

Kurz vor der Station Westbahnhof stiegen dann noch zwei ähnlich narkotisierte Männer begleitet von zwei riesigen Hunden, ein, die uns in ein Gespräch verwickelten. Nicht die Hunde, die Männer. Als uns einer von ihnen dann höflich fragte, ob er bei einer von uns übernachten könne – er habe zwar kein Geld, aber er könne mit Speed bezahlen – habe ich für mich beschlossen: Wien ist anders und in vielerlei Hinsicht und sehr oft auf sozial-gesellschaftlicher Ebene so richtig schiach. Aber ich bin ja auch ein Landei und wahrscheinlich über Dinge geschockt, die für andere nicht gebürtige und natürlich auch gebürtige WienerInnen einfach nur lächerlich alltäglich sind.

 

2 Kommentare
  1. julie
    julie says:

    Perfekter Bericht. Ja Wien ist anders – So richtig schön verkommen. Wenn alle gleich sind, fällts eh niemanden mehr auf und wird als normal gesehen oder einfach übersehen. Wer nicht unbedingt dort leben muss und das müssen die wenigsten, meist die noch einer Arbeit nachgehen, ergreift die Flucht.. oder ihm gefällt es so schön bunt und aufregend 🙂

    Antworten

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