Die Wiener Untergrind-Stationen

Besucht man als Tourist eine neue Stadt, sind U-Bahn-Stationen nicht unbedingt auf der Spitze der Sight-Seeing-Liste und auch keine heiß begehrten Fotomotive. Doch es gibt durchaus Städte, deren U-Bahn-Stationen architektonische Prachtleistungen sind und mindestens so viel Kultstatus haben, wie Menderes, nachdem er das Dschungelcamp gewonnen hat.

Beispielsweise in London sind sie gekennzeichnet durch das typisch rot-blaue „Underground“ Symbol, das ein beliebtes Fotomotiv ist und sich mit dem „Mind the Gap“, das durch den Tunnel hallt, perfekt ergänzt. In Lissabon sind die Wände der U-Bahn-Stationen mit Gemälden verziert, die den Eindruck vermitteln, als würde man durch den Louvre schlendern und erwähnenswert sind an dieser Stelle auch die futuristisch wirkenden unterirdischen Tunnel von Prag.

Und dann gibt’s noch die U-Bahn-Stationen von Wien: Dreckig wie ein Löwenkäfig und so aufregend und einfallsreich gestaltet wie der Songtext des Liedes „Da Da Da“. Im Gegensatz anderen Städte sind sie leider nicht schön genug um ein fancy Instagram-Foto aufzunehmen, auf dem man melancholisch die Station entlang spaziert und dabei so tut, als wüsste man nicht, dass man fotografiert wird.

Die Paradebeispiele der Hässlichkeit sind – wie könnte es anders sein – die Stationen der U6. Insbesondere die Thaliastraße überzeugt in der Kategorie der schiachsten U-Bahn-Stationen durch das fahle, kalte Aussehen und die – sagen wir mal – nicht so beliebte Umgebung. Nach Einbruch der Finsternis sollte man hier außerdem lieber nicht ohne Begleitperson aussteigen.

Besonders erwähnenswert ist zudem die Station Westbahnhof, an der sich zu jeder Tageszeit unglaubliche Massen an Menschen tummeln und die man lieber meiden sollte, wenn man einen Bad Hair Day hat und nicht gesehen werden will. Zudem ist sie das Mekka der Imbissstände und wohl kein anderer Ort in Wien hat so eine hohe Dichte an Pizza-Kebap-Würstel-Sushi-Standln.

Aber auf eines kann man sich bei den Wiener U-Bahn-Stationen verlassen: Dass man im Umkreis von 100 Metern auf mindestens eine nicht funktionierende Rolltreppe, einen überquellenden Mülleimer und finstere Gestalten, die Selbstgespräche führen, trifft. Eine Verbesserung ist nicht abzusehen und die Renovierungen einzelner Stationen sind ein bisschen so, als würde man das Gurkerl aus dem Big Mac nehmen – nett gemeint aber machen es auch nicht besser.

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