Was heißt hier stille Nacht

Alle Jahre wieder ist die Freude auf die Vorweihnachtszeit groß und alle Jahre wieder wird man enttäuscht. Jene Zeit im Jahr, in der draußen Schnee liegt und wir kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn wir uns mehr als nur eins der selbstgemachten Kekse gönnen.

Jedes Jahr wieder geben wir uns der Romantischen Vorstellung hin, dass wir gemütlich durch die Straßen schlendern, im ersten Geschäft sofort das Richtige für unsere Lieben finden und als Belohnung trinken wir am Christkindlmarkt unseren Lieblings-Punsch, ohne währenddessen fast zu erfrieren.

Doch bereits zum Adventbeginn zeigt sich eine andere Seite von Weihnachten, denn bereits da muss der richtige Adventkranz gekauft oder gebunden werden. Wien zeigt hier sein wahres Gesicht: An jeder Ecke wird etwas angeboten doch man will ja nicht gleich das Erste nehmen und es könnte doch sein, dass hinter der nächsten Ecke noch ein schöneres Modell wartet. Das Ganze wiederholt sich dann auch noch mit der Wahl des richtigen Christbaums einige Wochen später. Wobei sich hier eine weitere Schwierigkeit zeigt, denn so ein Baum braucht einiges an Platz und auch wenn man sich das ganze Jahr auf die tollen Öffi-Verbindungen verlässt, denkt man während der verzweifelten Suche nach dem perfekten Baum nicht gleich an den Heimtransport. Der entweder darin besteht einen für die U-Bahn ungeeigneten zwei Meter großen Mitfahrer mitzuschleppen, oder – Gott bewahre – sich mit dem Auto dem Wiener Verkehr zu stellen. Hier stellen sich nicht nur die Baustellen und Ampeln als unfreundlich heraus, sondern besonders die anderen Fahrer, die einfach nicht wissen, wie man sich im Straßenverkehr verhält. Aber was will man da schon machen.

Die Richtige Herausforderung startet aber erst, wenn es darum geht, die Geschenke zu besorgen. Diese Aufgabe an sich sorgt bereits für besorgte Gesichter, aber wenn dein Shopping-Gebiet Wien ist, wird es noch einmal um einiges schwieriger.
Hunderte Geschäfte locken mit fantastischen Weihnachtsangeboten. Jeder der sich eine große Auswahl wünscht, war sicher noch nie in einer Stadt wie Wien einkaufen, denn es wird nicht leichter sich zu entscheiden, nur weil man mehr Dinge sieht, die wahrscheinlich keinem gefallen. Dafür stürzt man sich mit tausend anderen verzweifelten Menschen in die Schlacht. Einkaufsstraßen werden gemieden, Einkaufszentren sowieso, aber egal wie kreativ man mit den alternativen Plänen ist, die Menschenmassen hohlen einen immer ein.

Für alle, die Weihnachten überstanden haben und glauben, sie können sich jetzt ein Jahr von der gemütlichen Weihnachtszeit erholen, sollen an dieser Stelle gewarnt werden: Mittlerweile hat nämlich der amerikanische Valentinstag seinen Weg nach Wien gefunden und auch Ostern ist nicht mehr sehr weit – zumindest wenn man den Supermarktketten Glauben schenken darf.

In Wien gibt es immer einen Grund zum Feiern. Und wenn man es den Wienern gleichtun will, gewöhnt man sich am besten schon einmal an große Menschenmassen im angeblich so ruhigen Wien.

 

3 Kommentare
  1. julie
    julie says:

    Mir ist es immer wieder ein Rätsel, warum die Leute im letzten Moment nach Geschenken hetzen. Den Stress tu ich mir schon lange nicht mehran, ist unnötig. Vorallem wenn man weiß, dass die nächsten Tage das meiste wieder umgetauscht wird, weil nicht gefällt oder gar nicht passt. Mein Sohn hat damals auch immer gemeckert, weil einmal das oder ein anderes mal das nicht gepasst hat. Bis es mir zu blöd geworden ist. Ich habe dann am Christbaum statt Schokolade je 100 Schilling (Damals noch Schillinge) wie Zuckerln eingepackt und damit den Baum geschmückt. Mit dem Geld hat er sich dann kaufen können was er will. Trotzdem hat er dumm geschaut. Mit dem hat er wohl nicht gerechnet. Die Meckerei war aber vorbei 😉

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      • julie
        julie says:

        Was ich traurig finde und überhaupt nicht mag, dass es nur um mehr ums Schenken geht, auch wenn man sichs gar nicht leisten kann. Ein friedliches zusammensitzen mit Familie oder Freunden, die auch alleine sind, ein gutes Essen und ein bisschen plaudern ist das, was ich von einer friedlichen Feier halte. Der ganze Kommerz bringt alle noch an den Rand des Wahnsinns und den Schulden….

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