“Und wohin kräut das Kriecht?” – die schiachsten Wiener Wörter

Es gibt einige Dialekte, die sich wirklich ganz nett anhören – der Wienerische gehört leider nicht dazu. Den Wiener Dialekt in allen Ehren, gibt es darin doch einige Wörter bei denen ich (als gebürtige Wienerin) immer noch den Kopf schütteln muss, wenn ich sie höre, weil sie so unglaublich schiach sind. Wienerisch ist allgemein ein sehr rescher Dialekt, der seine Ursprünge im Tschechischen und Jiddischen hat und heutzutage hauptsächlich nur mehr von den, Ur-Wiener und älteren Personen gesprochen wird. Die Jugend passt sich in ihrer Aussprache eher dem Deutschen an und hat daher nicht mehr viel mit dem Weanerischen zu tun. Als kleine Hommage an die Sprache der Wiener haben wir die fünf schiachsten Wiener-Wörter zusammengefasst und – für alle Nicht-Wiener – natürlich auch gleich übersetzt, damit ihr das nächste Mal im Beisl (Wirtshaus) mit eurem Dialektwissen punkten könnt:

 

5) Beidlpracker

Wer sich mit dem Wienerdialekt ein bisschen auskennt, der könnte jetzt denken, dass es sich bei diesem ungewöhnlichen Begriff um etwas Perverses handelt (weil Beidl ja eigentlich unanständig konnotiert ist), der irrt sich. Abgesehen davon, dass Beidl im Wienerischen eigentich für Penis steht, und an sich schon ein ziemlich schiaches Wort ist, hat es damit noch nicht einmal etwas zu tun. Ein Beidlpracker ist nämlich jemand, der andere Menschen übers Ohr haut, also sie reinlegt. Zum Glück bezeichnet dieses Wort nicht wortwörtlich das, wonach es klingt.

 

4) Plutza

Das Wort Plutza erinnert mich persönlich immer an etwas Hartes oder Aufgeplatztes. Ich erinnere mich genau, dass ich schon als Kind immer dagegen war, wenn jemand meinen Kopf so bezeichnet hat, weil ich das Wort so schiach gefunden habe. Im Wienerischen bezeichnet man damit aber nicht nur den Kopf, beziehungsweise einen besonders großen Kopf, sondern auch einen Kürbis. Natürlich kein Kompliment, wenn jemand für deinen Kopf das gleiche Wort verwendet wie für einen Kürbis.

3) kräun/kreun

Ein weiteres Wort, das ziemlich ekelig klingt und damit durchaus einen Platz in unserem Ranking verdient hat, ist kräun. Was sich eigentlich anhört wie ein Würgelaut, wenn man es ausspricht, bezeichnet im Wienerischen das Verb kriechen oder klettern. Wobei kräun natürlich dann besonders passend ist, wenn wirklich etwas Widerliches vorbeikriecht oder eben ,vorbeikräut.

 

“Mama was kräut da?”
“Das heißt kriecht.”
“Und wohin kräut das Kriecht?”

 

2) Käun

Klingt ähnlich wie kräun, aber bitte nicht verwechseln! Dieses besonders schiache Wort bezeichnet umgangssprachlich einen Zungenkuss, also das Herumschmusen. Obwohl es also eigentlich was Schönes bezeichnet, hört es sich ziemlich schiach an, wenn man es ausspricht – und wenn man es sich vorstellt. Bei dem Wort Käun stellt man sich ja eher einen besonders schleimigen, groben Kuss vor, dem sich die beteiligen Leute fast aufessen. Ein verdienter zweiter Platz in unserem Ranking der schiachsten Wörter.

 

1) A Eitrige

Wenn man weiß, dass jemand der sich “a Eitrige” bestellt, damit eine Käsekrainer und keine Infektionskrankheit meint, kann man erahnen, wie jemand auf diesen Namen dafür gekommen ist. Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem geschmolzenen Käse in der Wurst und dem gelben Wundsekret ist nicht zu leugnen. Dennoch: Wer möchte gerne etwas essen, das einen an etwas Eitriges erinnert? Besonders gschmackig, um es auf Wienerisch auszudrücken, wird das Wort dann, wenn man genussvoll in sein Würstel hineinbeißt und der Käse (beziehungsweise das “Eiter”) hinausspritzt. Das ist der Moment, in dem man sich das Wort besonders deutlich vor Augen halten muss. Eindeutig eines der schiachsten Worte im Wienerdialekt!

 

“A Eitrige!

 

Welches Wort im Wienerdialekt findet ihr am schiachsten? Lasst es uns in den Kommentaren oder in unserem Forum wissen und damit das “Weanerische” in Ehren halten.

 

1 Antwort
  1. julie
    julie says:

    Gut geschrieben, stimmt auch. Allerdings ist der Dialekt wie hier geschrieben auch abhängig von Bezirken. Nicht in jedem Bezirk wird das urige Dialekt gesprochen oder werden dafür ganz andere Wörter benutzt. Manches kann man gar nicht öffentlich schreiben. Da sind deine Wörter noch harmlos.

    Was mir am meisten am Nerv gegangen ist, ist das Wort “OIDA!”, dabei ist es wurscht, wer gerade angeredet wird, Frau, Mann, Kind. Das geht bei den jugendlichen automatisch und ohne zu überlegen. Ist vergleichbar mit dem deutschen “Ey”

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