Gasometer – die schiachste Mall Wiens

Die vier Gasometer in Wien-Simmering (11. Bezirk) stammen aus dem Jahr 1896 und waren einst Gasbehälter. Sie waren Teil des Gaswerks Simmering und fungierten als Niederdruckspeicher. In einem umfangreichen Umbau wurden sie zwischen 1999 und 2001 revitalisiert – die Baukosten betrugen dafür rund 174 Millionen Euro. Heute befinden sich in den Gasometern A, C und D rund 600 Wohnungen, in Gasometer B ein Studentenheim und eine Konzerthalle mit 4.200 Plätzen, eine Mall in Gasometer A und die „Music City“ in Gasometer C und D mit diversen Fachgeschäften und Musikinstituten.

Von außen ist die Umwandlung architektonisch durchaus gelungen. Die rot-braune Ziegelfassade macht die architektonisch ansprechend gebauten runden Gasometer mit der offenen Dachkonstruktion mit Windgleitblechen in rund 70 Metern Höhe durchaus zu einem Hingucker. Auch das Konzept, neuen Wohnraum in historischer Umgebung mit angeschlossenem Einkaufszentrum und einer Veranstaltungshalle zu verbinden, ist durchaus kreativ und ambitioniert.

Der “Schick” des Gasometer. Links oben: Durchgang. Rechts oben: “Skywalk”. Links unten: “grüne Oase”.

Allein scheint es, dass für die Innenausstattung der Geschäftszeile und des Einkaufszentrums in den Gasometern die Kreativität und/oder das Geld nicht mehr reichten.

Die Mall selbst hat den Charme einer typisch funktional-hässlichen US-Vorstadt-Mall. Neben dem obligatorischen Fast-Food-Restaurant finden sich im Erdgeschoss noch eine Bankfiliale und ein Supermarkt – so weit, so erträglich. In den Etagen darüber sind diverse kleinere Geschäfte und Gastronomiebetriebe zu besuchen, etliche Ladenlokale sind nicht vermietet. Dies scheint schon seit Jahren ein leidiger Dauerzustand zu sein.

Ein wirklich schiaches „Lowlight“ stellen dann aber der Durchgang zwischen den Gasometern C und D, sowie der euphemistisch getaufte „Skywalk“ (Glasbrücke), der die Guglgasse überquert und zum Entertainmentcenter (mit Kino) führt, dar.

Verlassene Bar im “Skywalk”.

Eine schräge Mischung aus verunglücktem, grellen 80er-Jahre-Flair und kühler, blecherner Industrie(un)ästhetik. Damit dem Besucher all dies auf seinem Weg entlang nicht allzu sehr auffällt, ist auf dem Boden der „Walk of Stars“, wo sich diverse bekanntere Musiker aber auch einige C- und D-Prominente mit ihren Handabdrücken verewigen durften. Welch Highlight!

Gleichzeitig fragt man sich beim Abschreiten des Ganges, wer sich in diese Mall überhaupt verirrt – es sei denn man wohnt gleich um die Ecke (oder gar in einem der Gasometer) oder möchte zu dem größten Musikfachgeschäft Wiens. Denn dieses ist seit 2010 in Gasometer D, und nimmt dort nahezu die gesamte Ladenfläche ein. Zumindest ist Leerstand dort somit kein Thema mehr. Heute ist in Gasometer C und D offiziell die „Music City“, da sich im Zuge dessen glücklicherweise auch andere Musikservices und Institute (Musikschulen und Tanzinstitute) dort ansiedelten. Wer also ein neues Instrument braucht oder einfach mal in einer schiachen Mall einkaufen will, sollte – ab in den Gasometer!

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