Fesches und Flöhe

Samstag, sechs Uhr dreißig, irgendwo zwischen Mariahilf, Wieden und Margareten. Zu dieser Zeit glaubt man nur noch übrig gebliebene Nachtschwärmer oder die MA 48 anzutreffen, aber weit gefehlt! Es gibt eine weitere beeindruckende Spezies, die sich jede Woche in dieser Ecke Wiens herumtreibt. Es sind die Standler und die Flohmarkt-Schnäppchenjäger.

©MarieSophieLeber

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Das Verblüffende an der ganzen Sache ist: Es handelt sich keineswegs um einen romantischen Vintage-Flohmarkt sondern um ein schiaches Unikum, welches dem Wiener Naschmarkt jeden Samstag einen Hauch von Kuriosität verleiht.

 

 

 

Sobald man die letzten Obst-, Gemüse- und Gewürzstandln des Naschmarkts hinter sich gelassen hat, betritt man eine eigentümliche Welt aus afrikanischen Masken, alten Pelzmänteln und Schallplatten, Bronzestatuen aus der k.u.k.-Zeit, Kronleuchtern und Gemälden, ausgetretenen Turnschuhen und den neusten Klappmessersets.

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Die meisten Besucher kommen erst am Vormittag zum Flohmarkt. Dann drängeln sich nicht nur die Flohmarkt-Kenner zwischen den Ständen, sondern auch Touristen, Gelegenheits-Schnäppchenjäger, Studenten und andere mit kleiner Geldbörse.

Hierbei sei allerdings angemerkt, dass die Gegenstände, die mit der erwähnten kleinen Geldbörse bezahlbar sind, den geringsten Nutzen aufweisen. So kann man dann schließlich jeden Samstagmorgen für fünfzig Euro einen kaputten Staubsauger, einen alten Kassettenrekorder ohne Kabel und eine verstaubte Pelzmütze kaufen.

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Greift man etwas tiefer in die Tasche, bekommt man feinstes Tafelsilber (welches vielleicht in dem ein oder anderen Haushalt auf mysteriöse Weise verschwunden ist), eine Nachttischlampe aus Kristall und eine gebrauchte Designer-Handtasche.

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Die Verkäufer stehen fast das ganze Jahr bei Wind und Wetter von morgens bis abends bereit und verhökern ihre Kostbarkeiten. Der Verkaufspreis richtet sich selbstverständlich nicht nach der Nachfrage, sondern nach den Beschaffungsproblematiken und den Standgebühren.

Denn obwohl größtenteils schiacher Tand angeboten wird, sind die Standplätze heiß umkämpft.

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Die Verkäufer haben einige Auflagen zu erfüllen und müssen, falls sie die Bewilligung erhalten haben, eine Tagesgebühr von 20,72 € bis 41,44 € pro Stand entrichten (https://www.wien.gv.at/amtshelfer/wirtschaft/maerkte/markt/flohmarkt/naschmarkt.html).

Da der Verkauf offensichtlich boomt, hat sich der Flohmarkt mittlerweile rund um die genehmigten Stände und die U4-Stationen Pilgramgasse und Kettenbrückengasse erweitert.

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Selbst wenn man nur über den Flohmarkt schlendert und bei keinem Stand stehen bleibt, bekommt man immer wieder die Chance, den Deal seines Lebens zu machen. Fliegende Händler streifen durch die Menge und bieten Uhren, Gartenschläuche und Küchenmesser aus der Manteltasche an.

Aber trotz all der dubiosen Winkel des Flohmarkts am Naschmarkt, lohnt sich ein Besuch dieses schiachen Plätzchens in Wien.

Hier pulsiert das Leben. Hier trifft Wiener Tradition auf Multikulti. Und genau hier findet man alles Schiache, das man nicht braucht, aber trotzdem haben muss.

1 Antwort
  1. julie
    julie says:

    Grauslich, schon alleine das Gedränge. Elektrogeräte kauft man auch nicht am Flohmarkt, sondern immer neu mit Garantie. Ich zumindestens. Die “Schnäppchen” auf den Flohmärkten sind das Geld nicht wert, wenn man bedenkt, dass der Billigkauf morgen in den Mistkübel wandert, weil er auseinander fällt. Ich bin einige Zeit mitgefahren und weiß mit welchen Tricks die arbeiten, glaubt man nicht, wenn man das nicht selber sieht.

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