Von schiefen Stiegen und schiachem Essen: Die WU

Der WU-Campus: Eine architektonische Meisterleistung

Seit 2013 gibt es den neuen Campus der Wirtschaftsuniversität. Auf 90.000 Quadratmetern möchte man den WU-Studenten perfekte Rahmenbedingungen bieten und wurde im Zeitplan gebaut. Diesen Plan hätte man allerdings etwas großzügiger gestalten sollen, nachdem sich schon ein Jahr nach Eröffnung die erste Betonplatte von einer der Fassaden gelöst hatte, runtergefallen ist und beinahe zu einer Katastrophe geführt hätte. Rund ein halbes Jahr später stürzte die nächste Betonplatte zu Boden. Erst danach hat man reagiert und sämtliche Platten überprüft. Schaden: 1,5 Millionen Euro.

Nicht allzu lange Zeit später der nächste Vorfall: Durch einen weiteren Montagefehler löste sich im Lesesaal der Bibliothek eine mehrere Meter lange Leuchtschiene. Auch hier wurde glücklicherweise kein Student verletzt. Man ist an der WU also nicht nur der Gefahr der schlechten Prüfungsleistung, sondern auch anderen Gefahren ausgesetzt. Doch nicht nur die baulichen Mängel machen die WU zu einer ganz besonderen Uni.

Stiegenlauf mit Parcours-Feeling

Schiefe Stiege in der WU- Bibliothek

All jene, die gerne einmal das Parcours-Laufen hobbymäßig ausprobieren möchten, können in der WU-Bibliothek schon vorweg einen kleinen Test-Run wagen. Wer es unbeschadet bis dorthin geschafft hat (Stichwort herunterfallende Betonteile, Schrauben im Essen und Punschstand), kann sich zwar glücklich schätzen, sollte sich aber dennoch nicht in Sicherheit wiegen. Sportliche Ambitionen, eine gute Strategie und der Verzicht auf den einen oder anderen Punsch können dabei helfen, den Stiegen-Parcours zu überwinden. Die Stiegen in der Bibliothek sind nämlich so extrem schief, dass ein normales Stiegensteigen nicht mehr möglich ist. Man sollte sich also vor dem Betreten der Treppe gut überlegen, wie man sie überwinden möchte.

© SaWe

Es bieten sich mehrere Möglichkeiten an: Entweder man beginnt seitlich und versucht, die Treppe diagonal zu nehmen, damit man sie letzten Endes quasi gerade hinunter geht. Oder man versucht, sich ganz rechts oder ganz links zu halten, wodurch es allerdings zu koordinativen Problemen kommen könnte. Zumal das Geländer, das an der Seite angebracht ist, dabei auch keine große Hilfe bietet. Wie man es also dreht und wendet, die Stiege ist und bleibt schief.

Wer sich nach dem Treppenlauf in Richtung Ausgang begibt, kann froh sein, wenn er oder sie auch wieder zur Tür hinaus kommt. Denn an der WU werden defekte Gegenstände – wie beispielsweise Türen – einfach mit einer schweren Eisenkette umwickelt und so abgesperrt. Danach wird ein rot-weißes Absperrband großflächig um alle Gegenstände im Umkreis von zwei Metern gewickelt, damit die “Baustelle” auch wirklich von jeder Person auf hundert Meter Entfernung wahrgenommen wird. Aber über den einen oder anderen Schaden sieht man doch gerne mal hinweg, wenn man dann über die Gullydeckel am Campus-Gelände “stolpert”, die mit einem Logo der Wirtschaftsuniversität geschmückt sind. Ganz glauben kann man es jedoch nicht, dass für eine derartige Prägung Geld ausgegeben wird.

Rostiger Bunker-Charme

Das Bunker-Rostgebäude am WU-Campus versprüht einen ganz besonderen Charme. Von der gewöhnungsbedürftigen Farbe mal ganz abgesehen ist es äußerst praktisch, dass die Rollos an den Fenstern während der Vorlesung einfach runter und wieder rauf fahren. Sie machen dabei auch noch so einen Lärm, dass jedes Mal die Vorlesung unterbrochen werden muss, da man sowieso nichts mehr versteht, wodurch eine sehr entspannte (Lern-)Atmosphäre entsteht.

Unerreichbare Steckdosen

Doch auch in Sachen architektonischer Planung sind die Bau- Verantwortlichen der WU kaum an Kompetenz und Sachverstand zu übertreffen. Wer hier am Werk war, ist ein wahrer Meister seines Fachs. Unerreichbare Steckdosen in grob geschätzten 3 bis 5 (?!!) Metern Höhe sind genauso Realität, wie die Holzgitter, mit denen das bunte D3-Gebäude verkleidet ist.

Durch die Balken strahlt das Gebäude – trotz gelb-oranger Färbung – den Charme eines Gefängnisses aus und lässt einen rätseln, welcher (sicherlich unverzichtbare) Nutzen wohl hinter den groben Holzbalken steckt.

 

LV-Anmeldung mit Nervenkitzel

Gut, für WU-Studenten ist das Anmelden für Lehrveranstaltungen mit Atomuhr völlig normal. Für Außenstehende ist es allerdings ein Kabarett. Die Anmeldephase ist für jedes Semester für fast alle LVs gleichzeitig an einem Montag um 14 Uhr. Bei der Anmeldung gilt das First-Come-First-Serve-Prinzip. Als WU-Student bedarf dies einiger Planung. Erstens muss man sich den Zeitraum am besagten Tag von ca. 13.30 bis 14.00 Uhr freihalten und mindestens drei Wecker stellen. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt darf man nicht unterwegs sein, geschweige denn in der Arbeit. Man muss sich also frei nehmen oder um die Zeit Pause machen, um sich auf die bevorstehende Anmeldung vorzubereiten zu können.

Das System hat aber seine Tücken. Man kann immer nur 20 Minuten eingeloggt bleiben, also muss man sich um zirka 13.45 Uhr einloggen, damit man um Punkt 14 Uhr noch eingeloggt ist. Zu der Zeit gibt es aber oft auch schon Überlastungen, sodass man gar nicht erst ins System kommt und den Platz in der gewünschten Vorlesung gleich vergessen kann. Hat man aber den ersten Schritt geschafft, kommt der zweite: Man vermittelt sämtlichen Familienmitgliedern oder Mitbewohnern, sich schnellstens vom WLAN-Netz zu trennen, weil man für die Anmeldephase die bestmögliche Verbindung braucht.

Für die Anmeldung selbst gibt es dann verschiedenste Theorien, die mittlerweile auch auf Facebook kursieren. Ein Finger, vorzugsweise der linke Zeigefinger muss auf F5 platziert werden: Zum Aktualisieren der Seite um 14 Uhr – dazu aber später noch mehr. Mit der rechten Hand hält man die Maus fest, um sich nach dem Aktualisieren schnellstmöglich den gewünschten Kurs aus der Liste raus zu suchen und auf “Anmelden” zu klicken.

Schlussendlich geht es noch um den richtigen Zeitpunkt. Man braucht jedenfalls in einem weiteren Browserfenster eine Atomuhr. Auch hier gibt es Diskussionen, welche denn nun die exakteste von allen Uhren im Internet ist. Viele Studenten nehmen einfach die erste, die Google vorschlägt. Dann heißt es: Vollste Konzentration! Man warte bis kurz vor 14 Uhr, jedoch auf keinen Fall bis exakt 14:00:00! Wenn man erst dann aktualisiert, kann man es gleich vergessen, da hängt das System so lange, dass bis zum vollständigen Laden der Seite schon alle Kurse voll sind. Man muss also entweder um 13:59:58 oder um 13:59:59 klicken. Auch hier gibt es Diskussionen, welche Sekunde denn nun zum besten Erfolg führt – kein Scherz! Einig ist man sich bis dato nicht. Man klickt dann also auf F5, danach hängt die Seite und lädt. Manchmal ein paar Sekunden (wenn man ein Glückspilz ist), manchmal auch mehrere Minuten. In diesen Minuten geht man durch die Hölle: Man ist nervös, man schwitzt, man starrt angespannt auf den Bildschirm. Irgendwann erscheint dann die Kursliste und man erkennt, dass fast alle Kurse schon voll sind. Immer noch voller Nervosität sucht man sich dann den gewünschten Kurs und hofft, dass es die Option “Anmelden” noch gibt. Wenn nicht, kann man sich nur noch “auf die Warteliste eintragen”. Dann hat man im Prinzip schon verloren und war zu langsam.

Dieses Prozedere wiederholt sich für WU-Studenten jedes Semester. Jedes Semester ein Nervenkitzel mehr – neben den Prüfungen. Das System wäre grundsätzlich ja in Ordnung, wenn es genug Kapazitäten gäben. In der aktuellen Situation kann es aber vorkommen, dass man sogar ein ganzes Semester verliert, weil man in einen Kurs nicht reinkommt, den man aber für den Studienfortschritt dringend braucht.

Mahlzeiten für Gourmets

Auch die Mensa bietet einige Highlights. Vor rund zwei Jahren gab es den ersten Vorfall. Es wurde ein Insekt im Salat entdeckt – nicht besonders schmackhaft. Doch das war nicht alles. Es ging weiter mit Papierfetzen im Essen. Schließlich gab es noch Grüße aus der Küche in Form einer leckeren Schraube in der Mahlzeit. Ob man es nun Gourmet-Menü oder Vollkost mit viel Eisen nennen möchte, sei jedem freigestellt.

 Einkaufsvergnügen mit Körperkontakt

Andere Studenten bevorzugen einen Einkauf im großräumigen Spar Supermarkt direkt am Campus. Wer Körperkontakt und Menschenmassen bevorzugt, ist dort genau richtig. Zur Mittagszeit ist es am besten. Es drängeln sich gefühlt tausend Menschen durch einen Markt in Mini-Ausgabe. Für die Anzahl der Studierenden an der WU (rund 22.000) plus Mitarbeiter hat der Spar die optimale Größe. Gratulation an das Planungs-Team. Viele Studenten versuchen es erst gar nicht reinzukommen. Sie drehen direkt am Eingang wieder um. Andere treibt der Hunger und sie riskieren einen Versuch an der Feinkosttheke. Die Schlange ist zumeist so lang, dass sie quer durch die Hälfte des gesamten Supermarkts reicht. Wenn man also etwas anderes als einen Käsekornspitz möchte, kommt man nicht an die Regale, weil sich überall Menschen tummeln. Die andere Schlange an Menschen reicht dann von der Kassa über die zweite Hälfte des Supermarkts. Dort das Highlight: Mindestens 15 Personen stehen an der besetzten Kassa. Seit neuesten Entwicklungen – Spar hat optimale Marktforschung betrieben – gibt es auch Selbstbedienungskassen. Ein wahrer Fortschritt. Dort wird man durch die hysterischen Schreie eines Mitarbeiters auf elegante Weise einem Terminal zugewiesen. Eine Kassa davon funktioniert jedoch meistens gar nicht. Der erste Atemzug nach dem Verlassen des Supermarkts fühlt sich an wie ein Traum. Man hat es durch die nächste Hölle geschafft und vor allem: Man hat etwas zu essen.

Die positiven Seiten

Man darf die WU aber nicht nur schlecht reden. Es gibt auch lobenswerte Aspekte. Nicht allzu viele, aber doch ein paar. Einer davon ist der jährliche Glühweinstand – beziehungsweise müsste man jetzt schon sagen die Glühweinstände, weil es mittlerweile sogar schon drei sind. Nach den zumeist recht sinnfreien Vorlesungen des Bachelorstudiums kann man sich einen, zwei oder drei Tassen Glühwein gönnen, um im Leben wieder etwas Schönes zu sehen. Preis: Optimal. Geschmack: Perfekt. Der beste Weg also, um einen Tag auf Österreichs schönster Uni ausklingen zu lassen. Der andere positive Aspekt ist der Sturmstand. Dieser hat leider immer nur einen Tag im Herbst geöffnet und ist dadurch sehr gut besucht. Eine tolle Atmosphäre. Ein billiger Rausch.

Fazit

Schlussendlich hat die WU viele nennenswerte Punkte, die den Platz auf der Seite der Schiachsten Orte Wiens legitimieren. Wir hoffen sehr, dass es in Zukunft weitere solche Fälle geben wird, um noch mehr schiache Seiten der WU vorstellen zu dürfen. Natürlich ohne, dass jemand dabei zu Schaden kommt. Denn, ohne die eine oder andere Panne könnte das Studium (fast) langweilig werden!

 

 

 

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Ambiente. Dazu zählen etwa das biedere, mit Prostituierten – die allerdings zunehmend von WU-StudentInnen verdrängt werden – überhäufte Stuwerviertel oder der Landstraßer Süden rund um die […]

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.